Mobbing - Soziale Belastungen am Arbeitsplatz
Mobbing ist mehr als schlechtes Betriebsklima, schlimmer als gelegentlich ungerechte Vorgesetzte, belastender als der übliche Büroklatsch. "To mob" bedeutet aus dem Englischen übersetzt so viel wie anpöbeln, schikanieren, attackieren, angreifen, drangsalieren.
Mobbing beschreibt ein Phänomen in der Arbeitswelt, bei dem Einzelpersonen oder eine Gruppe von Personen andere Kollegen oder Kolleginnen gezielt, häufig und über eine längeren Zeitraum hinweg angreifen. Dabei verfolgen sie das Ziel, die betreffende Person zu erniedrigen, um die Ausgrenzung aus dem Arbeitsverhältnis zu erreichen. Diese feindseligen Handlungen geschehen mit einer gewissen Regelmäßigkeit, also mindestens einmal in der Woche und über eine längere Dauer, d.h. mindestens ein halbes Jahr. Folgende Merkmale sind hilfreich, um den Unterschied zwischen alltäglichen psychosozialen Belastungen und Mobbing zu erkennen:
- Die Angriffe betreffen eine bestimmte Person oder Gruppe
- Während das cholerische oder pedantische Verhalten eines Vorgesetzten in ähnlicher Weise alle Personen betrifft, die mit ihm zusammenarbeiten, ist es bei Mobbing eine einzelne, bestimmte Person, die oft plötzlich und scheinbar willkürlich zur Zielscheibe von Anfeindungen oder Aggressionen wird.
- Es wird die Würde und der Respekt der Person angegriffen
- Mobbinghandlungen signalisieren der betroffenen Person, dass sie nicht respektiert wird, selbst wenn die Gemobbten deutlich machen, wie verletzend sie die Demütigungen und Angriffe empfinden.
- Die Angriffe sind zielgerichtet und systematisch
Mobbing verfolgt häufig eine bestimmte destruktive Absicht. Das Opfer soll durch systematische Missachtung gestraft, für die Gruppe als willkommener "Blitzableiter" fungieren oder sogar aus dem Betrieb geekelt werden.
- Die Angriffe finden regelmäßig und über einen längeren Zeitraum statt
- Im Gegensatz zu kurzzeitigen Ausfällen einzelner Personen in besonderen Stresslagen kommt es bei Mobbing zu häufigen und regelmäßigen Vorfällen.
Mobbingangriffe erfolgen in vier Bereichen:
- Im Bereich der Kommunikation
- Es wird der Kontakt verweigert, jemand wird "wie Luft" behandelt, demonstrativ gemieden. Nicht selten gehen im Verlauf des Mobbinggeschehens sämtliche Anstands- und Fairness-Regeln "über Bord".
- Im Bereich des sozialen Ansehens
- Wenn Gerüchte verbreitet werden und "schlecht über eine Person gesprochen wird", entsteht häufig von ihr unbemerkt ein Bild im sozialen Umfeld, das sich nachträglich nur schwer korrigieren lässt. schwer korrigieren lässt. Im Gegensatz zu üblichem Klatsch und Tratsch wird hier eine bestimmte Person aus dem sozialen Geschehen ausgegrenzt und zunehmend isoliert.
- Im Bereich der fachlichen Kompetenz
- Auf der Arbeitsebene erleben die Betroffenen, dass versucht wird, ihre Kompetenz und ihr fachliches Ansehen zu demontieren, d.h. ihnen werden Fehler nachgewiesen, um sie anzuschwärzen.
- In der Arbeitszufriedenheit
- Mobbing zielt hier auf die Arbeitszufriedenheit. Nicht selten wird den Betroffenen unliebsame Arbeit zugeteilt oder die Einsatzorte und Arbeitszeiten so geändert, bis sich die Arbeitsbedingungen zunehmend verschlechtern.
Phasen eines typischen Mobbing-Verlaufs
- Ein Feindbild wird aufgebaut, eine Vorverurteilung findet statt
- Am Anfang eines "klassischen" Mobbingverlaufs stehen meist ungelöste Konflikte, aus denen Schuldzuweisungen und persönliche Angriffe resultieren.
- Die einzelnen Aktionen wirken häufig unbedeutend und lapidar
- Danach weiten sich Differenzen zur systematischen Schikane aus, wobei Klärungsversuche vielfach scheitern. Die betroffene Person wird von Außenstehenden oft für die Heftigkeit ihrer Empfindungen belächelt.
- Die einzelnen Aktionen sind in ihrer Absicht nicht beweisbar
- In den meisten Fällen versuchen Betroffene anfangs andere Kolleg/-innen auf die veränderte Situation anzusprechen und Erklärungen zu finden. Wenn Mobbinghandlungen geleugnet oder umdefiniert werden, erschwert dies natürlich die Möglichkeit, sich erfolgreich zur Wehr zu setzen.
- Eine feindliche, bedrückende, doppelbödige Arbeitsatmosphäre entsteht
- Auch einzelne Verhaltensänderungen können eine feindselige und bedrückende Arbeitsatmosphäre schaffen, wenn z.B. eine Person nicht mehr gegrüßt, vom gemeinsamen Mittagessen ausgeschlossen und nicht mehr in Absprachen einbezogen wird.
- Andere Personen werden infiziert
- Wenn es gelingt, andere als Verbündete zu gewinnen, nach dem Motto "alle gegen einen", steigt die Belastung für die Gemobbten um so mehr.
- Bestätigung des Feindbildes mit entsprechenden Interpretationen
- Ist eine Person oder Gruppe erst einmal von der Bewertung des Opfers als faul, intrigant, unsolidarisch oder machthungrig überzeugt, ist es leicht, jedes Verhalten so zu interpretieren, dass es in die vorgefasste Bewertung passt.
Mobbing kränkt und macht krank
Mobbing entzieht der betroffenen Person zentrale Voraussetzungen für die Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Wer während seines Arbeitstages keinerlei fachliche oder soziale Anerkennung erlebt und ständigen Angriffen ausgeliefert ist, für den stellt dies eine Belastung dar, der auf Dauer kein Mensch gewachsen ist. So führen die hohen seelischen Belastungen oft zu Erkrankungen des Körpers, also zu psychosomatischen Erkrankungen. Schon nach wenigen Tagen können Beschwerden auftreten. Magen- und Darmprobleme, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen und depressive Verstimmungen sind die ersten seelischen und körperlichen Reaktionen auf Mobbing. Je länger das Opfer dem Mobbing ausgesetzt ist, desto stärker entwickeln sich chronische Krankheiten. Häufig treten nach langen Phasen der sozialen Stigmatisierung schwere Depressionen, Medikamentenabhängigkeit oder Suchterkrankungen auf, und die Suizidgefährdung steigt beträchtlich.
Mobbing-Prävention auf der betrieblichen Ebene
Mobbing ist für Unternehmen immer noch ein heißes Eisen, weil wirkungsvolle Prävention und Bekämpfung des Phänomens eine selbstkritische Analyse der Arbeitsbedingungen, des Führungsstils und der Unternehmenskultur erfordert. Die Ursachen von Mobbing entstehen häufig durch organisatorische Mängel und Kommunikationsprobleme, die vielfältige Auswirkungen auf das Arbeitsklima haben.
Wenn Unternehmen oder Behörden die Augen vor Mobbing verschließen, nehmen sie in Kauf,
- dass die betroffenen Mitarbeiter/-innen in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt sind und durch Krankheit arbeitsunfähig werden,
- dass die Produktivität der Abteilung oder des gesamten Unternehmens oder der Behörde erheblich beeinträchtigt wird, weil sich die Betroffenen nicht auf ihre Aufgaben konzentrieren können und so ganze Arbeitsbereiche lahmgelegt werden und
- dass direkte und indirekte Kosten entstehen und die Sozialversicherungsbeiträge durch mobbingbedingte Erkrankungen oder Arbeitsplatzverlust steigen.
Es gilt, Mobbing den Nährboden zu entziehen und eine faire, partnerschaftliche Unternehmenskultur zu fördern. Die konsequente Vorbeugung von Mobbing muss durch eine gute Informationspolitik, klare Strukturen und Anweisungen, gerechte Behandlung der Mitarbeiter/-innen und konstruktive Strategien der Konfliktbewältigung gewährleistet werden. Mobbing-Prävention auf der persönlichen Ebene
- Mobbing dokumentieren
- Um "Beweise" zu sichern und nicht durch pauschale Mobbingvorwürfe ins Hintertreffen zu geraten, empfiehlt es sich, Mobbingvorfälle genau nach Beteiligten, Sachverhalt, Datum und Uhrzeit zu protokollieren. Dies hilft nicht nur einen klaren Kopf zu bewahren, sondern ist äußerst nützlich für die eigene Argumentation bei Konfliktgesprächen und Beschwerdeverfahren.
- Soziale Unterstützung sichern
- Es ist von großer Wichtigkeit sich soziale, emotionale und moralische Unterstützung zu suchen: Hilfreich ist es, mit Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen Wege aus der Krise zu finden. Eine solidarische kritische Begleitung kann dabei helfen, neue Verhaltens- und Reaktionsformen zu entwickeln und praktisch zu erproben. Mobbing nagt am Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Deshalb empfiehlt es sich, im privaten Umfeld geeignete Personen zu finden, die helfen, sich wieder aufzurichten und die Abwehrkräfte zu stabilisieren, ohne diese Helfer zu überfordern. Das Gefühl der Ohnmacht verringert sich, wenn man sich mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen austauscht. Zur Stabilisierung und Stärkung des psychischen Wohlbefindens und der Widerstandskraft ist in vielen Fällen auch psychologische bzw. psychotherapeutische Unterstützung empfehlenswert.
Gemeinsam gegen Mobbing:
Was kann der Betriebsrat tun?
- Beschwerden ernst nehmen
- Mobbing im Betrieb zum Thema machen
# Perspektiven für Gesundheit entwickeln # Die rechtlichen Möglichkeiten des BetrVG ausschöpfen Gemeinsam gegen Mobbing: Was können Betroffene tun? # Beschwerderecht (§ 84 BetrVG) # Unterstützung im und außerhalb des Betriebes suchen # Mobbingtagebuch führen # Strategien der Stress- und Angstbewältigung # Mobbing-Selbsthilfegruppe # Mobbing-Beratung Gemeinsam gegen Mobbing: Was können die KollegInnen tun? Zum Beispiel # Intrigen nicht unterstützen
# Betroffenen Unterstützung signalisieren
# Mobber sachlich auf unfaires Verhalten ansprechen
# Mitläufer ansprechen
# Opfer über Tratsch und Gerüchte informieren
# Mit dem Betriebsrat oder einer anderen Vertrauensperson die Situation besprechen
Quelle http://www2.igmetall.de/homepages/krefeld/wissenswert/mobbing.html
-- DetlevLengsfeld 2008-06-04 05:55:35
Mobbing/Belastung am Arbeitsplatz (last edited 2009-05-06 21:45:32 by DetlevLengsfeld)