Einleitung zum Thema Mobbing
Was ist Mobbing?
Der Begriff Mobbing hat in Deutschland in den letzten Jahren eine weite Verbreitung gefunden und ist eine Art Pool für die unterschiedlichsten Ereignisse und Probleme geworden. So werden Probleme am Arbeitsplatz, in der Schule oder mit Nachbarn unter "Mobbing" subsumiert. Die Originalbedeutung des Substantivs im Englischen bezieht sich auf eine wütende Menschenmenge, den "Mob". "Mobbing" wäre bei dieser engen Begriffsbestimmung nur im Zusammenhang mit größeren Menschenmengen verwendbar. Dementsprechend war das Wort Mobbing in anderen Europäischen Ländern weniger gebräuchlich.
In England wurde Mobbing praktisch nicht verwendet; der entsprechende Begriff im Englischen war ausschließlich bullying. In Frankreich war "Mobbing" ebenfalls wenig bekannt; üblich war harcelement-moral bzw. nur harcelement (Störung). Zwischenzeitlich hat sich die Situation jedoch verändert und der Begriff Mobbing beginnt sich auch in diesen Ländern, wie auch in anderen Ländern der EU durch zusetzen.
Mobbing am Arbeitsplatz
Am häufigsten wird der Begriff Mobbing für Probleme am Arbeitsplatz verwendet. Im engeren Sinn werden darunter nur die zwischen Kollegen/innen stattfinden Aktionen verstanden. Wenn es sich um "Druck von oben nach unten" handelt, wird dagegen der Begriff bossing verwendet. Wird der Chef von den Mitarbeitern angegriffen, dann ist dies "staffing".
Die Methoden des Mobbing sind an sich nicht neu. Erschreckend ist aber die qualitative und quantitative Zunahme dieser "Unsitte". Die Zahl der durch Mobbing erkrankten Mitarbeiter steigt beängstigend an und es sind Gesetzesänderungen notwendig um diese gesellschaftliche Fehlentwicklung zu korrigieren. In Frankreich drohen bei Mobbing bereits Gefängnisstrafen. Es ist jedoch umstritten, ob damit tatsächlich die beabsichtigte Wirkung erzielbar ist.
Mobbingmethoden
Beliebt ist die Verwendung von Sekundenkleber um Spindschränke, Schreibtische, Schlösser oder Briefkästen zu verkleben. "Spaßvögel" wechseln Passwörter am Computer aus und bringen so ihre Opfer zur Verzweiflung. Eine kräftige Prise Salz im Kaffee ist da eher noch zum harmloseren Mobbing zu rechnen. Für Verwirrung sorgen auch Warenlieferungen, die von Unbekannten bestellt wurden. Mag die Anlieferung eines Sarges für einen Außenstehenden nur ein makaberer Scherz sein, für den Betroffenen ist es ein schockierendes Erlebnis!
Jeder kennt diese gnadenlos lustigen Typen, die immer noch glauben, dass ein zum 5. mal im Spind versteckter Brathering ein toller Gag ist. Man hat Tränen in den Augen, aber nicht weil das so lustig war, sondern weil einem diese permanente Verletzung elementarster Persönlichkeitsrechte die Nerven aufreibt.
Gerüchte verbreiten, Andere lächerlich machen, mit "geheimnisvollen" Andeutungen den guten Ruf oder die fachlichen Qualifikation unterminieren; der Mobber gibt sich redlich Mühe mit den unterschiedlichsten Aktionen die Stimmung zu verschlechtern und das Opfer ins Abseits zu schieben. Weitere typische Aktionen sind: persönliche oder religiöse Überzeugungen durch den Kakao zu ziehen, Schwächen und Behinderungen breit treten und ständig zu kritisieren.
Es ist nicht nur schlechter Stil, wenn man andere ständig unterbricht oder schlichtweg ignoriert. Es leidet das Arbeitsklima darunter und die "Atmosphäre" wird immer dumpfer und unerträglicher.
Schließlich wird auch die körperliche Überlegenheit eingesetzt, um zumindest unterschwellig zu drohen oder durch kleine Rempeleien zu demonstrieren, wer der Platzhirsch ist.
Das Gefühl eine Schlinge um den Hals zu haben, stellt sich spätestens dann ein, wenn sich eine Gruppe formiert, die mit abgesprochenen Aktionen die verschiedenen Mobbingmethoden zur Anwendung bringt.
Einordnung der Ereignisse
Zunächst besteht das Problem die Ereignisse und Aktionen einzuordnen. War es eine Beleidigung, eine Verleumdung, oder eine üble Nachrede? Wurde man beraubt, bestohlen, wurde etwas weggenommen oder nur "ausgeliehen". War es eine leichte oder eine schwere Körperverletzung, ein Mordversuch, eine tätliche Beleidigung, ein Streich, ein Scherz mit körperlichen Folgen, oder nur eine fehl interpretierte Befindlichkeitsstörung? Noch schwieriger wird es, Bemerkungen, Meinungen und Stimmungen zu beurteilen. Wird man tatsächlich und bewusst mit schiefen Blicken bedacht, oder sind die Nachbarn, Kollegen, Familienmitglieder nur schlecht gelaunt? Nur noch raten kann man dann bei anonymen Denunziationen: wer hat einen beim Chef angeschwärzt, bei der Steuer oder einer anderen Behörde angerufen?
Psychoterror, Rufmord, Schikanen,
Hilflose und "sprachlose" Personen sind bevorzugte Opfer. Viele dieser Gemeinheiten befinden sich zudem in Grenzbereichen, so dass es schwierig ist, einem Rechtsanwalt, Arzt, Psychotherapeuten oder einer anderen geeigneten Person das Problem zu erklären. Es ist dennoch ratsam, sich frühzeitig an einen neutralen und kompetenten Fachmann zu wenden, da ein weiteres Problem die meist einschleichende Art ist, in der gemobbt wird. Es beginnt mit harmlosen Späßen, Forderungen oder geringfügigen Beleidigungen und steigert sich (manchmal) bis zur offenen, massiven Aggression. Auch hierbei ist die Festlegung einer Grenze schwierig, insbesondere wenn sich die Aktionen über mehrere Jahre hinziehen und man immer wieder die Hoffnung hat, dass der Terror nun endlich aufhört.
Gesundheitliche Probleme
Ob Sie nun schwer asthmakrank sind oder halb blind, der Mobber lässt sich dadurch nicht umstimmen. Im Gegenteil! Jedes Handicap wird gnadenlos ausgenützt. Das Mobbing selbst löst zunächst nur Befindlichkeitsstörungen aus. Diese können aber sehr schnell zu Schlafstörungen, schweren Angst- und Stresskrankheiten führen, die unbedingt ärztlicher Hilfe bedürfen. Ein besonderes Problem dabei ist das Gefühl, dem Mobber bzw. der Situation völlig hilflos ausgeliefert zu sein. Dieses Gefühl kann verringert werden, wenn zunächst Ereignisse, Gedanken und Gefühle aufgeschrieben werden. Durchaus sinnvoll ist es, ein Tagebuch zu führen, in dem Namen, Telefonnummern und andere Daten enthalten sind. Man schreibt sich den Frust von der Seele und gleichzeitig entstehen "Dokumente", die man dem Rechtsanwalt oder Therapeuten vorlegen kann, und die sich auszugsweise auch für eine Website eignen.
Harte Bandagen
Wer im Verlauf einer gegen ihn geführten Mobbingaktion einen Herzinfarkt oder eine andere gravierende gesundheitliche Schädigung erlitten hat, wird verständlicherweise die Meinung vertreten, dass gegen Mobber wesentlich härter vorgegangen werden sollte. An dieser Stelle kann nur auf die gesetzlich erlaubten Möglichkeiten eingegangen werden. Irgendwann muss man sich entscheiden, ob man dem (Rechts-) System vertraut, also die Ausschöpfung der juristischen Möglichkeiten als ausreichend betrachtet, oder ob man sich auf das Niveau des Mobbers begibt und aus dem reichhaltigen Fundus der "dirty-tricks" ein paar geeignete Antworten ausgräbt. Das Problem dabei ist, dass der Robin Hood Status wahrscheinlich noch mehr an den Nerven zerrt, als das Mobbing selbst. Zu dem Mobbing kommt dann noch die Angst, dass die eigene Aktivität entdeckt bzw. aufgeklärt wird. Also: auch wenn es noch so sehr in den Fingern juckt, kratzen Sie mit Ihrem Schlüsselbund nicht am neuen BMW Ihres Gegners entlang!
Antimobbing mit einer Website
Es ist, wie bereits erwähnt, in fast allen Mobbingfällen, ob im In- oder Ausland notwendig, zunächst einen fachmännischen Rat einzuholen. Bei Mobbing am Arbeitsplatz sind sehr unterschiedliche Möglichkeiten vorhanden. Betriebsräte, Werksärzte, Gewerkschaftsvertreter oder Vertrauensleute können zunächst Ansprechpartner sein. Bei gravierenden Ereignissen sollten auf jeden Fall die Behörden informiert werden. Bei körperlichen Übergriffen sofort
einen Arzt aufsuchen und ein Attest anfertigen lassen.
Nur in den seltensten Fällen kann auf einen Rechtsanwalt verzichtet werden. Bitte achten Sie darauf, dass der Rechtsanwalt die entsprechende Fachrichtung beherrscht z.B. Arbeitsrecht.
Da oft nur eine gerichtliche Klärung des Streitfalls möglich ist, muss frühzeitig Beweismaterial wie Fotos, Schriftstücke, Gutachten, etc. gesammelt werden.
Diese Website beschäftigt sich u. a. mit einer neuen, zusätzlichen Möglichkeit, sich gegen Mobbing durch Eigeninitiative zur Wehr zu setzen:
Information der Umgebung durch das Internet
Ein munteres Plaudertäschchen informiert am Telefon, beim Kaffeeklatsch oder auch beim Einkaufen in einer Woche problemlos ein ganzes Dorf. Mit einem Wochenblättchen kann eine Kleinstadt oder ein Stadtteil informiert werden. Und dann gibt es natürlich noch die großen Tageszeitungen, Rundfunk und Fernsehen. Naturgemäß zeigen die Medien aber nur dann ein Interesse, wenn die Story einen gewissen Unterhaltungswert hat. Die große Anzahl von Talkshows, in denen Mobbing als Thema behandelt wird, bedeutet nicht, dass man mit seinem Problem dort automatisch Gehör findet. Selbst in der regionalen Tageszeitung mit ein paar Zeilen unterzukommen, ist meist aussichtslos. Die Drohung: "ich bring das in die Zeitung!" wird deshalb bei so manchem Mobber nur ein müdes Lächeln hervorrufen. Wenn man nun keine Plaudertasche ist, keinen Schwager bei der Zeitung hat und man trotzdem sein Problem in die Öffentlichkeit bringen will, bietet sich als "Medium" das Internet an. Natürlich wird man von Fall zu Fall zuerst prüfen müssen, ob die Einrichtung einer Website sinnvoll ist; aber, es gibt viele Mobbingfälle, in denen mit einer Website ein überaus erfolgreiches "Antimobbing" durchgeführt werden kann.
Problemfälle
Leider gibt es aber auch andere Fälle. Schwierig wird es bei Mobbing, das einen materiellen Hintergrund hat, also genau genommen Mittel zum Zweck ist. Wenn man aus einer dörflichen Gemeinschaft hinaus gemobbt werden soll, weil jemand auf eine billige Immobilie spekuliert, oder die berufliche Reputation unterminiert wird, weil ein Kollege sich davon eine Beförderung verspricht, dann sind härtere Bandagen erforderlich. Die Website kann nicht immer der Art und Stärke einer Mobbingaktion angepasst werden, sie ist nur ein Mittel zur Information! Keinesfalls darf man sich provozieren lassen und persönliche Anschuldigen oder Beleidigungen ins Net bringen. Wenn man die nötige Ruhe gefunden hat, dann sichert man sich ein paar schöne Domains und schließt eine Rechtsschutzversicherung ab. Natürlich muss geprüft werden, ob der aktuelle Fall tatsächlich mitversichert ist, bzw. noch angenommen wird.
Mobbing - Antimobbing - Mediation
Wer sich gegen Mobbing wehrt muss zwangsläufig auch eine Art Mobbing durchführen. Im Verlauf eines Mobbingfalles kommt es dadurch zu Situationen wo sich die Grenzen zwischen Mobbing und Antimobbing verwischen. Getreu dem sizilianischen Vorbild der Vendetta, weiß auch nach einer gewissen Zeit niemand so recht wie alles angefangen hat, aber man macht munter weiter, weil es eben so Brauch ist, respektive keiner nachgeben will. Wie vermeidet man diese Situation? Am einfachsten durch eine klare Strategie. Die Information über den Grund des Streitfalles oder die Situation die als Mobbing empfunden wurde, sollte dem Gegner bekannt sein. Am besten schriftlich, durch einen Rechtsanwalt und soweit möglich und sinnvoll, öffentlich auf der Website.
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Mobbing/Definition/Was-Ist-Mobbing (last edited 2009-09-24 14:36:06 by DetlevLengsfeld)