Zuffenhausen: Kündigungsrituale bei Porsche
In verschiedenen Presseberichten eines Vereins “Einer für alle- Alle für einen” bei Porsche geht hervor, dass bei Porsche aus den merkwürdigsten Gründen Kündigungen erfolgen.
So hatte ein Kollege- Kryas- beim Besuch der Bundeskanzlerin 2002 vor den Wahlen es gewagt, sich der damaligen Kandidatin Merkel genähert, ihr eine Petition in die Hand gedrückt, in der es darum ging, dass ein Gesetz gegen das mobbing im Betrieb durchgesetzt werden solle. Merkel, huldvoll, versprach alles und glitt majestätisch weiter. Der betreffende Arbeiter wurde sofort vom Werkschutz eskortiert bis vor die Tür, bekam Hausverbot und -deshalb? Wohl nicht offiziell- ein Kündigungsverfahren angehängt, das bis heute läuft.
- Dann der Kollege Uli Schirmer. Er hatte sich erlaubt, nach der vorletzten Tarifrunde am schwarzen Brett den Tarifspiegel der verschiedenen Lohngruppen auszuhängen und -angeblich- einen wahrheitsgemäßen Vergleich mit dem Gehalt des Betriebschefs Wiedeking angestellt.
- Dieser Prozess hat inzwischen alle drei Instanzen durchlaufen. In allen drei bis zum Bundesarbeitsgericht bekam Porsche gnadenlos Unrecht. Die Firma, statt endlich wieder einzustellen, ging erneut in die erste Instanz - mit angeblich neuen Gründen, die aber das Gericht als durchaus altbacken zurückwies. Sehr interessant die Zusatzbehauptung des Rechtsanwalts: in Äußerungen in verschiedenen linken Blättern des Kollegen seien Beleidigungen geäußert worden. Diese bestünden unter anderem in der Verwendung des Begriffs “Ausbeutung” gegen Firma und Firmenleitung. Oh, schöne Zeit des Erinnerns! Kaum waren in den sechziger Jahren wieder die ersten Flugblätter vor Betrieben verteilt worden, die marxistischerweise über “Ausbeutung” sprachen- schon wurde Beleidigung erkannt. Ein wissenschaftlicher Begriff, von dem sein Erstverwender Marx ausdrücklich betonte, dass er nichts Moralisches damit sagen wolle, einfach nur den Sachverhalt benennen der Einbehaltung eines Teils des von den Arbeitskräften erarbeiteten Mehrwerts. Entschuldigung, wie soll man den Sachverhalt sonst anständig bezeichnen?
Zu guter letzt bekam eine fristlose Kündigung der Kollege Sigmar Herrlinger nach einer Abmahnung . Aus einer Solidaritätserklärung der Konferenz der Montagsdemos geht hervor, dass ihm vorgeworfen wird, er habe den Betriebsfrieden unerträglich gestört, indem er Entlassungsdruck gegen Kranke oder Behinderte im Betrieb angeprangert habe.
Nach anderen dargestellten Fällen zu schließen, ist Porsche schnell bei der Hand, mit Abfindungsangeboten mittlerer Güte Kranke aus dem Beschäftigungsverhältnis zu katapultieren.
Wie es mit den Verhältnissen bei Porsche im ganzen wirklich steht, kann aus den einzelnen Resolutionen und Pressemitteilungen nicht völlig erschlossen werden. Es wäre wünschbar, wenn der genannte Solidaritätskreis einmal eine völlige Darstellung im Zusammenhang liefern könnten.
PS: Und wie hat die Gewerkschaft reagiert? So- laut Abdruck auf der website von www.solikreis-porschekollegen.de/. Lieber Kollege Herrlinger, Sie haben am 10. Mai 2006 bei uns Rechtsschutz für eine Klage gegendie Kündigung der Firma Porsche vom selben Tag beantragt.Der Ortsvorstand unserer Verwaltungsstelle hat sich heute mit diesem Antrag befasst und lehnt ihn ab, weil die gerichtliche Durchsetzung Ihres Anspruchs nicht im Interesse der Mitglieder und der IG Metall liegt.
- Falls Sie an Ihrer Entscheidung festhalten wollen, die Wirksamkeit der Kündigung gerichtlich überprüfen zu lassen, weisen wir daraufhin, dass die Klage beim Arbeitsgericht spätestens am 31. Mai 2006 eingereicht sein muss."
Vermutlich wieder einmal ein Beispiel dafür, dass die Gewerkschaften mehr und mehr von den Betriebsräten der großen Konzerne dominiert werden.
fg - nach www.solikreis-porschekollegen.de/
www.solikreis-porschekollegen.de/
Mobbing/Firmen/Porsche/Text (last edited 2009-10-10 14:41:38 by DetlevLengsfeld)