Elternverantwortung
Die Fakten:
Es ist sehr wahrscheinlich, das Kinder oder Jugendliche irgendwann mit Mobbing in Berührung kommen: Denn bereits im Kindergarten werden -je nach Situation- zwischen 5-15 Prozent der Jungen und Mädchen gemobbt. Mindestens ein Viertel aller Kinder ist früher oder später als Täter oder Opfer in Mobbing verwickelt.
Mobbing hat gerade bei Heranwachsenden für ihre Entwicklung schwer wiegende negative Folgen. Diese sind zudem viel folgenschwerer als bei älteren, erfahrenen Menschen mit entsprechenden sozialen Kompetenzen. Es ist ein Wesensmerkmal von Mobbing, dass feindliche Handlungen im Verborgenen stattfinden und die Betroffenen nur geringe Chancen zur erfolgreichen Abwehr haben. Gerade Kinder oder Jugendliche sind ohne fremde Hilfe hierbei chancenlos und sie teilen ihre Probleme zumeist auch nicht mit. Eltern wie auch Lehrer erkennen Mobbingsignale nicht oder verkennen sie. Lediglich etwa 10-20 Prozent der Eltern bekommen davon Kenntnis, dass ihr Kind Täter oder Opfer in einem Mobbingprozess ist.
Nach dem Gesetz hat jeder junge Mensch ein Recht auf Förderung seiner Entwickelung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit. In diesem Sinne haben Eltern die Verpflichtung ihre Erziehung am Wohle des Kindes auszurichten. Die geschilderten Tatsachen belegen jedoch sehr deutlich, dass die meisten Eltern dieser ihrer Erziehungsverantwortung nicht voll gerecht werden und hier erhebliche Defizite bestehen.
Was können und sollten verantwortungsbewusste Eltern bei Mobbing tun?
Eltern sollten sich über Mobbing informieren, sie sollten Hintergründe und Zusammenhänge kennen und so für Mobbing sensibilisiert sein. Sie sollten ganz bewusst ihr Kind von Zeit zu Zeit daraufhin beobachten, ob Verhaltensänderungen auftreten. Bei Auftreten von Mobbingmerkmalen und Verdachtsmomenten besteht Anlass zu einer Abklärung und zu einer Situationsanalyse.
Als Ergebnis der systematischen Analyse lässt sich festlegen, welche Elternmaßnahmen sinnvoll sind. Es bieten sich verschiedene Eingriffsmöglichkeiten an, auf die hier nur mit Stichworten eingegangen werden kann. Für Einzelheiten verweise ich auf das sehr nützliche Buch Hilfe mein Kind wird gemobbt: Handlungsmöglichkeiten bestehen gegen den Täter, gegen die Eltern des Täters, gegen Mitbeteiligte, gegenüber unbeteiligten Beobachtern und gegenüber Freunden des Kindes. Zudem kann der Lehrer angesprochen und mit eingebunden werden (ein solches Lehrergespräch muss gut vorbereitet werden!), es kann ein Wechsel der Umgebung ins Auge gefasst werden und letztlich bestehen Rechts- und Beschwerdemöglichkeiten.
Zudem bieten sich kurzfristig verschiedene Hilfsmöglichkeiten für das Kind an, indem mit ihm sinnvolle Reaktionsweisen eingeübt werden, es auf Mobbingsituationen vorbereitet wird, gezielt Verhaltensänderungen und Veränderungen des Erscheinungsbildes bewirkt und insgesamt Ängste in Gesprächen abgebaut werden.
Letztlich muss einem Kind nach einem längeren Mobbingprozess wieder innere Stärke vermittelt werden, indem Verhaltensweisen des Alltags geändert werden. So kann z.B. durch besonderes fürsorgliches Elternverhalten, durch sportliche Betätigung oder durch geeignete Freizeitaktivitäten neues soziales Wohlbefinden gefunden und eine bestehende Identitätskrise überwunden werden.
Was sollten Eltern zur Prävention tun?
Eltern sollten nicht erst handeln, wenn ihr Kind von Mobbing betroffen wird. Sie sollten bereits im Rahmen ihrer Erziehung dafür Sorge tragen, dass Mobbing bei ihren Kindern keine Chance hat.
· Eltern müssen sich die nötige Erziehungskompetenz zulegen, um den Erziehungsalltag angemessen bewältigen zu können und sie sollten möglichst als Erziehungsteam harmonieren.
· Für ein Kind ist das Klima innerhalb der Familie von entscheidender Bedeutung. Je intensiver und harmonischer die Wechselbeziehungen in der Familie gestaltet sind, desto eher fühlt sich ein Kind geborgen und akzeptiert und desto eher werden Kinder sich bei Problemen auch gegenüber ihren Eltern offenbaren. Die eingangs geschilderten Fakten belegen, dass leider viel zu wenig Eltern wirklichen Anteil an den Geschehnissen im Kindergarten oder in der Schule ihres Kindes nehmen und sie es offensichtlich nicht verstehen, durch ihr Elternverhalten und durch richtige Ansprache ihrem Kind Geborgenheit und innere Stärke zu geben und umgekehrt ihm vorhandene Ängste zu nehmen. Hier bestehen zumeist erhebliche Defizite in der Eltern-Kind-Beziehung.
· Ein bewusst kommunikativ geprägter Erziehungsstil fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl. Erziehungsverhalten sollte sich dahin ausrichten, den Kindern ein positives Selbstbild, gewisse soziale Fähigkeiten und Selbstbewusstsein zu vermitteln. Im bewussten Aufbau und in der ständigen Fortentwickelung dieser Fähigkeiten liegt der beste Schutz, um als Jugendlicher und im späteren Erwachsenenleben weitestgehend vor Mobbing sicher zu sein oder im Falle eines Mobbingangriffs diesen sicher abwehren zu können.
Das Buch Hilfe, mein Kind wird gemobbt ist ein guter Ratgeber für alle Fragen in Bezug auf Mobbing und hilft Eltern, sich jeweils richtig und kompetent zu verhalten. Zudem vermittelt das Buch konkrete Erziehungsstrategien zur Prävention und es gibt Eltern praktische Ratschläge und Gesprächsverläufe zur Hand, damit sie schwierige Situationen erfolgreicher als bisher hinterfragen und klären können. Sie können auch lernen, mit den verschiedenen Gesprächssituationen des Erziehungsalltags besser umzugehen und richtig zu reagieren. Näheres zum Buch finden sie auf der Homepage des Autors Michael Merk: http://www.michaelmerk.de
-- DetlevLengsfeld 2008-09-26 12:37:11
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Mobbing/Mobbing in der Schule/Elternverantwortung (last modified 2008-11-04 07:00:06)