http://www.vpsm.de/docs/newsweek_14.html
Newsweek, 14.August 2000
They call it „Mobbing“
Übersetzt von Iris Bornkessel
Die Details variieren, aber die Fälle haben ein gemeinsames Thema. In Deutschland hatte Klaus, Krankenpfleger, einen Streit mit seiner Chefin; sie versuchte ihm zu kündigen. Ihm wurde unterstellt, er habe unauthorisiert Medikamente verabreicht (ein Arzt hatte ihn dazu aufgefordert), er solle einen Wachmann geschlagen haben,(dieser bestritt den Tatbestand), und er solle einen Patienten sexuell belästigt haben (es fand sich allerdings kein Opfer). Klaus erzählt, er habe seinen Job nach der Gerichtsverhandlung zurück bekommen, aber dazwischen habe er Gedanken an Selbstmord gehabt und sei mehrer Monate ohne Bezahlung gewesen. Dr. G. aus Paris erzählt, dass ein neuer Verwaltungsangestellter des Ministeriums in dem sie arbeitet, sich von ihr bedroht gefühlt habe. Er beantwortete dieses Gefühl, indem er ihr Informationen vorenthielt und den Sekretärinnen die Anweisung gab, nicht auf ihre Anfragen zu reagieren. Mit Depressionen kündigte Dr. G. und begab sich in Therapie. In Schottland fanden die Kollegen Theodors, der in einem biochemischen Labor arbeitete, seine Forschungsarbeit würde zu gut verlaufen. Anstößige Gerüchte wurden verbreitet und seine Experimente sabotiert. Nachdem er dies offen aussprach, wurde er als Störenfried stigmatisiert und verlor seinen Posten. In Genf, wo Gillian 18 Jahre gearbeitet hat, wurde versucht, sie durch systematische Überforderung aus der Firma zu treiben. Als dies nicht fruchtete, wurde während ihres Urlaubs ihre Arbeitsstelle gestrichen.
Forscher und Aktivisten sehen solche Fälle als Beispiele eines Arbeitsproblems, dass genauso zersetzend ist wie Rassendiskriminierung und sexuelle Diskriminierung. Sie nennen dieses Problem Mobbing: sich wiederholende Attacken, die das Opfer solange demütigen, isolieren und herabsetzen, bis es nicht mehr funktioniert (...) . Auf dem intern. Psychologischen Kongress in Stockholm im Juli dieses Jahres wurde zum 1. Mal ein Vortrag über Mobbing gehalten. Auch die American Academy of Management wird auf ihrer Jahrestagung in Toronto ein Seminar zum Thema „bullying“ anbieten. ... Schon ist es bei VW möglich, wegen Gerüchteverbreitung und dem Vorenthalten arbeitskritischer Informationen, die Kündigung zu erhalten. Personalberater Georg Volk führt an, dass diese Regeln, von VW 1996 festgemacht, gut für das Geschäft sind. Schon 1% weniger Kündigungen durch Krankheit sparen der Firma $ 50 Millionen im Jahr. In GB fördert die nonprofit Industrie Society ein Konzept, das sich Würde am Arbeitsplatz“ nennt, und offeriert ein Video über „Bullying“ das in Zusammenarbeit mit dem Trade Union Congress entwickelt wurde. Gewerkschaften der Industrie und des Handels finanzierten die Befragung von 5000 Arbeitnehmern (aus der Wirtschaft) durch das Manchester Institute of Science and Technologie im letzten Jahr, und fanden heraus, dass 10 % der befragten in den letzten 6 Monaten tyrannisiert worden waren. Solche Forschungsergebnisse stellen die Schlüsselfrage: Wird das Arbeitsplatzklima wirklich gemeiner oder sind die Arbeitnehmer nur eher bereit, darüber zu sprechen? Wahrscheinlich stimmt ein bisschen von allem, konstatiert Alfred Fleissner, Wissenschaftler der Uni Hamburg, der eine Studie über die biochemischen Reaktionen des Körpers auf Arbeitsstress macht.(...)
Der erste, der die richtigen Fragen stellte, war der deutsche Psychologe Heinz Leymann. Während seiner Zeit als Familientherapeut in Schweden 1980 bemerkte er, dass häuslicher Stress meist Stresssituationen am Arbeitsplatz resultierte. Während seiner Studien über diese Phänomene schätzte er die Zahl der schwed. Arbeitnehmer, die in irgendeiner Form belästigt wurden auf 3,5%. Er nannte diese Form des Belästigung „Mobbing“. Anfang 1990 publizierte er seine Arbeit in Deutschland uns inspirierte andere Forscher, die ihrerseits konstatierten, dass1-4% aller deutschen Arbeitnehmer gemobbt würden. (...)
In diesem Jahr publizierte der „Stern“ eine Cover Story über das Phänomen, und gab zusätzlich Ratschläge was zu tun ist, wenn sie gemobbt werden. (..)
Und jeder kann ein „bully“ sein, fügt Susan Marais-Staidmann, Vorsitzende der Foundation of Workplace Trauma in Süd Afrika hinzu. Sie wurde engagiert um die Mobbing Situatution in einer großen Firma, in der sie selbst während ihrer früheren Laufbahn gebullied wurde, zu lösen. „Sie sagten“, „Wir entschuldigen uns für das was wir Ihnen angetan haben, würden sie uns trotzdem helfen?“ erzählt sie.
Wenn es nur immer so einfach wäre.
Mobbing/PartnerschaftlichesVerhalten/They call it Mobbing (last edited 2010-02-05 13:00:04 by DetlevLengsfeld)