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Krieg am Arbeitsplatz: Ist jedes Mittel erlaubt?
Die Sendung war oberflächlich und bot insbesondere den Teilnehmern Klaus Kocks und Yvonne Kümmerer eine Plattform zur Selbstdarstellung mit Äußerungen, die weder Opfer von Psychoterror am Arbeitsplatz, Arbeitnehmer und fair denkende Unternehmer und Führungskräfte nicht hinnehmen können.
Herr Klaus Kocks, ehemaliger Vorstand bei VW und PR-Berater, suhlte sich wohlgefällig in seiner Selbstdarstellung, er sei zwar ein fürsorglicher Familienvater, aber wenn er ins Büro gehe,, schlüpfe er in die Rolle eines Schweines. Nur als Schwein könne man Karriere machen und sich durchsetzen. Dann war er noch stolz darauf, Thesen aufgestellt zu haben, wie man weibliche Mitarbeiter am besten diskreditiert. Als Beispiel nannte er, dass man eine Professorin vor Gesprächspartnern als „Hasilein“ bezeichnen solle. Es soll Herrn Klaus Kocks nicht abgesprochen werden, ein treusorgender Familienvater zu sein. Indessen erschreckt es, wenn jemand, der sich morgens und abends vielleicht liebevoll um seine Kinder kümmert und tagsüber mit eiskalter Selbstverständlichkeit Menschen fertig macht und auch in der Sendung keine Reue für diese Verhaltensweise zeigte, sondern dieses Bild quasi als natürliche Auslese darstellte.
Während derselbe Sender sich z.B. in Plus Minus gegen Gewaltspiele am PC engagiert, eröffnet er zur besten Sendezeit ein Forum, in dem psychische Gewalt am Arbeitsplatz verherrlicht wird. Auch psychische Gewalt ist Gewalt und verletzt die Opfer. Das Schweinsein von Chefs und Kollegen kann bei deren Opfern zu schwersten psychosomatischen Krankheitsbildern bis hin zu reaktiven Depressionen und sogar zum Suizid führen. Dem Zuschauer versuchte Herr Klaus Kocks zu suggerieren, dies sei im nationalen und internationalen Wettbewerb eben so. Es gebe eben Gewinner und Verlierer. Mit seinem Eingeständnis, dass er seine Karriere nur durch Schweinsein so erfolgreich gestaltet habe und dem Behaupten, dies sei in Unternehmen so üblich, diskreditiert er diejenigen Führungskräfte und Führungspersönlichkeiten, die sich an den Grundsätzen zeitgemäßer Menschenführung orientieren, nämlich dem, dass Führungskräfte dazu da sind, Mitarbeiter erfolgreich zu machen und erfolgreich zu halten. Es gibt genügend erfolgreiche Unternehmer und Führungskräfte, die auf Kooperation und Fairness setzen und sich im Wettbewerb gut behaupten. Wer seinen Kollegen und Mitarbeitern als „Schwein“ gegenüber tritt, belegt nur, dass demjenigen die erforderliche fachliche Kompetenz und jedwede Führungskompetenz fehlt. Wer als Führungskraft seine Karriere auf Kosten anderer aufbaut, andere durch Intrigen und Machtmissbrauch schädigt, ist nicht mehr als ein Schmarotzer, der sich auf Kosten der Unternehmen und deren Mitarbeitern bereichert. Ein solches Verhalten hat mit sozialen Auswahlprozessen nichts zu tun, sondern ist unsoziales Verhalten. Wer unfair kämpft, kann bei jeder Sportart disqualifiziert werden. Wer stolz darauf ist, als Schwein seine Karriere gemacht zu haben, wirkt wie ein Boxer, der stolz darauf ist, seine Gegner durch Tiefschläge besiegt zu haben. Ein solches Verhalten widerspricht unseren Normen und Wertevorstellungen eklatant. Bei ca. 1,2 Millionen geschätzten Mobbingopfer in Deutschland bedeutet die Behauptung des Herrn Klaus Kocks, dass die Schwächen der deutschen Unternehmen im internationalen Wettbewerb insbesondere auch darauf zurückzuführen sind, dass in vielen Unternehmen „Schweine“ in Führungspositionen sitzen, die außer Machkämpfen zur Befriedigung ihrer Eitelkeit und Ihres Bankkontos nicht in der Lage sind, Unternehmen zeitgemäß zu führen. Damit gibt er im Ergebnis eine Bankrotterklärung für viele Unternehmen ab.
Gleichzeitig macht Herr Klaus Kocks eine Front zwischen Mitarbeitern und Führungskräften auf. Wer die Sendung gesehen hat, sieht möglicherweise in Führungskräften grundsätzlich „Schweine“. Somit wiegelt er indirekt Arbeitnehmer gegen ihre Führungskräfte auf. Jeder, der eine bestimmte Führungsebene erreicht hat, wird dem pauschalen Verdacht und Vorwurf ausgesetzt, „Schwein“ zu sein.
Dass einer solchen Selbstdarstellung bei Maischberger eine derartige Plattform zur Propagierung psychischer Gewalt am Arbeitsplatz eingeräumt wird, ist ein Skandal!
Diese wiegt um so schlimmer, weil Herrn Klaus Kocks gegenüber Frau Margit Braun saß, deren Tochter aufgrund des von Herrn Klaus Kocks propagierten „Schweinseins“ ausweislich ihres erschütternden Abschiedsbriefes in den Suizid getrieben wurde. Dass er sich gegenüber Frau Margit Braun noch darin suhlen konnte, welch umwerfenden Strategien er zum Fertigmachen von Frauen in der Arbeitswelt kreiert habe, ist ein weiterer Skandal. Was geht in einem Menschen vor, der darin Befriedigung findet, z.B. eine Professorin dadurch zu diskreditieren, indem er sie mit „Hasilein“ vor anderen Personen anspricht?
Nicht besser präsentierte sich Frau Yvonne Kümmerer als Selbstdarstellerin. Auch sie hat ein Buch geschrieben, das scheinbar über die Sendung besser vermarktet werden sollte. Dass diese Frau als Konfliktberaterin arbeitet, macht nachdenklich. Sie schiebt vielen Arbeitnehmern, die gemobbt werden, selbst die Schuld zu. Es ist fraglich, wie die Dame mit ihrer in der Sendung gezeigten Auffassung Konflikte lösen will. Bei ihr besteht aufgrund ihrer Selbstdarstellung in der Sendung das Risiko, den oftmals verzweifelten Opfern auch noch die Schuld an ihrer Lage zu geben und diese damit in eine noch hoffnungslosere und verzweifeltere Lage zu bringen, bis sie vielleicht keinen Ausweg mehr sehen als den Suizid. Die gezeigte Penetranz, mit der sie immer wieder das Wort an sich riss, hätte von Frau Maischberger unterbunden werden müssen.
Leider wurde die Sendung von diesen beiden Selbstdarstellern dominiert, so dass sachliche Beiträge, wie der von Frau Margit Braun, deutlich zu kurz kamen. Frau Margit Braun sprach als Einzige von der Würde des Menschen, die durch unser Grundgesetz garantiert werden soll.
Das “Schweinsein am Arbeitsplatz” wird oftmals nicht nur gegen die Würde des Menschen gemäß Art. 1 unseres Grundgesetzes verstoßen, sondern wird vielfach gegen das Verbot der unangemessenen Behandlung im Sinne des Art. 3 Europäischer Menschenrechtskonvention (EMRK) verstoßen.
Krieg ist sinnlose Gewalt. Leider wird das Auffordern zum Krieg am Arbeitsplatz nicht sanktioniert. Die Fragestellung der Sendung „Ist jedes Mittel recht?“ wurde leider nicht offen beantwortet, sondern umgangen. Auf der einen Seite wurde zwar propagiert, dass der Chef „Schwein“ sein muss und viele Mobbing-Opfer selbst schuld seien, aber das Leid der Opfer wurde leider zu wenig angesprochen. So nach dem Motto, im Krieg ist jedes Mittel recht, aber mit dem Leid der Opfer will man nicht zu tun haben. Die Opfer scheinen allenfalls als Dekoration im Hintergrund geeignet zu sein. Die Opfer sind für die Täter scheinbar nichts weiter als ein Kollateralschaden auf dem Wege der Karriereleiter von selbst ernannten „Schweinen“.
Herr Kocks und Frau Kümmerer müssen sich fragen lassen, warum viele Unternehmen Wert auf fairen Umgang innerhalb der Mitarbeiterschaft legen und Machtgeflechte aus Intrigen und Seilschaften beseitigen wollen.
Da der Unterzeichner als Rechtsanwalt auch als Sachverständiger im Rahmen von Konfliktlösungen bei Mobbingkonstellationen für Unternehmen tätig ist, hat er die entsprechenden Einblicke. Erfolg und fairer Umgang schließen sich nicht aus, sondern bedingen einander. Gerade Unternehmen, die sich um faire Konfliktlösung bemühen, müssen die Verlautbarungen von Herrn Klaus Kocks und Frau Yvonne Kümmerer als Ohrfeige empfinden. Die Reibungsverluste durch Unfairness, Schikane und Psychoterror am Arbeitsplatz sind für die Opfer hiervon sehr schmerzlich und kosten das Geld des Unternehmens. Daher wollen immer mehr Unternehmen alte Seilschaften und Filzgestrüppe auflösen und bedienen sich hierbei externer, unabhängiger Hilfen, weil nur hierdurch gewährleistet ist, das interne Machtgeflechte keinen Einfluss nehmen können. Der erste Schritt hierbei ist die Analyse der Situation, dann die Ausarbeitung von Abwehrmaßnahmen und dann das Aufstellen und durchsetzen von Spielregeln. Wer diese nicht einhält wird arbeitsrechtlich sanktioniert. Solche Unternehmen, die Fairness und Leistung propagieren, haben Erfolg. Erfolg, der durch die Peitsche entsteht, bringt allenfalls kurzfristige Leistungsimpulse. Dies ist seit Jahren bekannt. Fachlich qualifizierte Mitarbeiter suchen sich ohnehin einen Arbeitsplatz ohne „Schweine“. Und die Unternehmen, wo die „Schweine“ das Sagen haben, sind eben ein „Schweinestall“. Und ein „fieses Schwein“, das meint, ihm könne keiner etwas anhaben, wird sich oftmals wundern, wenn ein noch „größeres und fieseres Schwein“ kommt und es fertig macht.
Die Zuschauer, Arbeitnehmer und Unternehmer, die mit „Schweinsein“ nichts zu tun haben wollen, dürfen sich derartige Sendungen nicht widerspruchslos gefallen lassen.
Dr. Thomas Etzel, München
-- DetlevLengsfeld 2006-11-19 12:12:56
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