Mobbing Studie der IFaK 2007
Mobbing am Arbeitsplatz: Jeder Achte Mobbing- Opfer. Schikanen am Arbeitsplatz haben höhere Fehlzeit und größere Fluktuation zur Folge Mobbing am Arbeitsplatz ist in der modernen Arbeitswelt offenbar keine Ausnahme. Drei von zehn Beschäftigten (29%) berichten, dass sie bei ihrem aktuellen Arbeitgeber schon einmal erlebt haben, wie ein Kollege bzw. eine Kollegin aus ihrem Team Opfer von Mobbing wurde.
Zwölf Prozent der Befragten geben an, in ihrem derzeitigen Unternehmen selbst schon einmal gemobbt worden zu sein. Von den 31,7 Millionen Erwerbstätigen ab 18 Jahre (ohne Selbständige, mithelfende Familienangehörige) in Deutschland sind also 3,8 Millionen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen Mobbing-Opfer.
Dies sind die Ergebnisse einer bevölkerungsrepräsentativen Befragung des IFAK Instituts, Taunusstein, unter rund 2.000 Erwerbstätigen ab 18 Jahre in Deutschland. Mobbing-Opfern fällt der tägliche Gang zur Arbeit deutlich schwerer als Personen ohne Mobbing-Erfahrung. Der Aussage „Ich freue mich jeden Tag auf meine Arbeit“ stimmen 63 rozent der Beschäftigten zu, die in ihrer derzeitigen Firma persönlich noch keine Schikanen am Arbeitsplatz erfahren haben, aber nur 44 Prozent der von Mobbing persönlich betroffenen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen (Top-2-Box auf einer Fünf-Punkte-Skala). Mobbing-Betroffene sind es auch, die häufiger als Nicht-Mobbing-Betroffene erklären, bei der Arbeit „sehr oft“ frustriert zu sein (27% zu 6%; Top-Box auf einer Vier-Punkte-Skala).
Ferner würden sie ihren Job im Falle eines so hohen Lottogewinns, dass man nicht mehr arbeiten müsste, eher an den Nagel hängen als Personen ohne Mobbing-Erfahrung (Antwort: „Würde bei einem Lottogewinn nicht weiterarbeiten“: 52 versus 31%). Mangel an Fairness und Respekt Mobbing-Opfer beklagen, dass in ihrem Unternehmen Fairness und Achtung zu kurz kommen. Der Aussage „Bei uns werden alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen fair und mit Respekt behandelt“ stimmen nur 30 Prozent der Gemobbten, aber 67 Prozent der Nicht-Gemobbten zu (Top-2-Box auf einer Fünf-Punkte-Skala).
Ältere eher von Mobbing betroffen als Jüngere Die Anzahl der Mobbing-Betroffenen verteilt sich relativ gleichmäßig auf das Geschlecht, die alten und neuen Bundesländer, die berufliche Stellung (Arbeiter, Angestellte, Beamte) und den Beschäftigungsstatus (Vollzeit, Teilzeit) sowie den Außen- und Innendienst und betrifft Führungskräfte ebenso wie Beschäftigte ohne Personalverantwortung. Lediglich beim Alter lassen sich Unterschiede erkennen: 16 Prozent der Befragten im Alter ab 50 Jahren geben an, in ihrem derzeitigen Unternehmen schon einmal gemobbt worden zu sein. Diese Zahl ist im Vergleich zu acht Prozent bei den unter 30-Jährigen bzw. elf Prozent bei den 30- bis 50-Jährigen statistisch signifikant höher.
Kostenfaktor Mobbing Mobbing-Opfer weisen gegenüber Beschäftigten, die bei ihrem derzeitigen Unternehmen noch nicht gemobbt wurden, eine deutlich höhere Anzahl an Fehltagen auf (10,3 zu 7,6 Tage pro Jahr). Der deutschen Wirtschaft entstehen dadurch Kosten in Höhe von 2,3 Milliarden Euro im Jahr.(1) Ein Viertel der Mobbing-Betroffenen (24%) trägt sich ernsthaft mit dem Gedanken, das derzeitiges Unternehmen innerhalb der nächsten 12 Monaten zu verlassen.
Demnach beabsichtigen hierzulande drei von 100 Beschäftigten eine Kündigung aufgrund der Tatsache, dass sie am Arbeitsplatz entweder von Vorgesetzten oder Kollegen schikaniert werden. Insgesamt weist die Gruppe der Mobbing-Opfer fast zweieinhalb mal so viele Personen mit konkreten Wechselgedanken auf als die Gruppe der Beschäftigten, die in ihrem Unternehmen persönlich noch kein Mobbing erfahren haben. Mobbing wird damit nicht nur durch höhere Fehltage, sondern auch aufgrund von ungewollter Fluktuation zum Kostenfaktor für Unternehmen.
In der Regel belaufen sich die Fluktuationskosten pro Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterin auf das Doppelte der reinen Gehalts- und Nebenkosten eines Jahres.(2)
Die Kosten für Fluktuation durch Mobbing belaufen sich für die deutsche Wirtschaft, konservativ gerechnet, insgesamt auf 17,6 Milliarden Euro im Jahr.
(1) Berechnungsgrundlage: 31,669 Millionen Erwerbstätige ab 18 Jahre (ohne Selbständige, mithelfende Familienangehörige) gemäß Statistischem Bundesamt. Die Anzahl der Fehltage basiert auf der Selbstauskunft der Befragten. Die durchschnittlichen Arbeitskosten pro Stunde betragen laut Arbeitskostenerhebung 2004 des Statistischen Bundesamtes 28,18 Euro (letzte verfügbare Daten). Es wird ein achtstündiger Arbeitstag zugrunde gelegt.
(2) Vgl. ZENTHÖFER, JOCHEN: Hiergeblieben! „Goldene Fesseln“ nennen Juristen die Vergünstigungen, mit denen Arbeitgeber ihre Mitarbeiter an sich binden wollen. Mit Dienstwagen und Boni, aber auch mit drohender Rückzahlung sollen sie am Wechsel gehindert werden. Einige Fesseln haben die Gerichte gelockert. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21. April 2007, C2.
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Mobbing/Studien/Mobbing Studie der IFAK (last edited 2008-11-28 12:22:55 by )