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Die integrierte Autostadt IT
Die Autostadt in Wolfsburg ist das Auslieferungszentrum und die Kommunikations- und Serviceplattform des VW-Konzerns. Die Hardware stammt von Sun, File-System und Backup von Veritas, Vignette dient als Präsentationsschicht, von Tuxedo kommt der Transaktionsmonitor und von Oracle die Datenbank.
Von Christine Ryll ZDNet 06. September 2005, 12:59 Uhr
Zeit ist häufig eine knappe Ressource bei der Umsetzung von IT-Projekten. So auch in der Autostadt in Wolfsburg. Nur elf Monate hatten Chief Technology Officer Claus Hohmann und Dr. Michal Bruna, Leiter IS/IT Kommunikationsmanagement, zur Verfügung, um das integrierte Autostadtsystem IAS, das den gesamten Park steuert, einzuführen. Aber es gelang
Wie ein roter Faden zieht sich IAS nun durch alle Bereiche der Autostadt: die Gastronomie, das Ticketing und die Fahrzeugsysteme. An ihr hängen auch das Corporate Objects System, das Hotel The Ritz-Carlton, eine Lösung, die den Gutschriftenverkehr und die Bewirtung der Abholer steuert, das Customer Care Center und die Autostadt Shops. Vor allem aber die Turmsteuerungssysteme, die das Herzstück des Parks sind. Sie regeln den Betrieb der Aufzüge, die die zur Auslieferung bereitgestellten Fahrzeuge von den gläsernen Auto-Türmen in die Empfangshalle verfrachten, wo sie ihre neuen Besitzer entgegen nehmen.
Für den Kunden in der Autostadt erhalten durch IAS das Erleben, das Erfahren und das Erinnern einen besonderen Stellenwert. Denn die Autostadt – Kommunikations- und Serviceplattform des VW-Konzerns – wurde als ein Ort konzipiert, der das Image von VW durch umfassende Sinneserfahrungen, durch Ästhetik und Kultur aufwertet soll. Mittel, um diesem Anspruch gerecht zu werden, sind unter anderem Architektur, Veranstaltungen, Ausstellungen und Gastronomie.
Gehört die IT auch zu diesen Mitteln? Nun, nicht im herkömmlichen Sinne. Sie soll funktionieren, aber nicht auffallen. Und darum entschied sich Volkswagen im Jahr vor der Eröffnung des Themenparks auch nicht für einen IT-Spezialisten, um das EDV-Konzept der Autostadt zu erarbeiten, sondern für einen Manager, der vielmehr die psychodynamischen und organisationspsychologischen Aspekte im Umgang mit IT als seine Schwerpunkte gefunden hat. Im Zentrum stehen deshalb nicht länger Bits und Bytes, sondern durch IT-Systeme unterstützte Dialoge. "In der Autostadt inszeniert sich die Technik nicht länger selbst, sie stellt sich in den Dienst des Menschen und ordnet sich ihm unter", lautet das Credo. "Die IT der Gegenwart hat die Aufgabe, das Denken und Tun des Menschen zu unterstützen und nicht seine Arbeiten zu automatisieren, um ihn selbst zu ersetzen."
Neue Lösungen erfordern stärkere Hardware
Zuerst wurde in der Autostadt das Netzwerk verlegt: Ein WLAN-Netz mit Backbone (17 km Lichtwellenleiter) bis acht Gbit/s auf Basis von 108 Cisco-Komponenten. Dazu Kupferleitungen als Sicherheitsreserve. "Denn die funktionieren immer, und wir können uns keinen Ausfall erlauben", erläutert Hohmann. Im nächsten Schritt ging es darum, sich für bestimmte Software zu entscheiden: Von Vignette kam die Präsentationsschicht für das Integrierte Autostadt-System, von Tuxedo der Transaktionsmonitor und von Oracle die Datenbank.
Bei der Hardware schließlich ließ sich Hohmann von Scott McNealy inspirieren. Ihm gefiel die Strategie von Sun Microsystems, sich nicht in die Prozesse der Kunden einzumischen. Natürlich habe er auch Angebote von Mitbewerbern eingeholt, räumt er ein. Doch viele wollten auch die hinter der IT liegenden Prozesse entwickeln und steuern. "Hierfür haben wir selbst Experten, wir brauchen keine externen Berater", winkt er ab.
Seit letztem Jahr laufen auf dem Integrierten Autostadt-System auch eine neue Presse-Datenbank, ein e-Learning-System, ein Travelshop, ein Zeitreise e-Shop und das Spiel Hotbugs. Die Grundlage dafür bilden Vignette 7.1 und Anwendungen wie J2EE Applicationserver Jboss 3.2.5, der J2EE Server-Container Tomcat 5.0.28 und Portlet-Standard JSR 168.
Bei der Einführung dieser Systeme wurde auch die Hardware aktualisiert. "Zunächst hatten wir unsere Anlage auf eine Laufzeit von fünf Jahren konzipiert. Als wir dann 2004 von Vignette 6 auf Vignette 7.1 umgestellt haben, und gleichzeitig die neuen Lösungen einrichten mussten, erreichte die Hardware die Grenze der Belastbarkeit", erinnert sich Hohmann. Neue Internetserver standen damit an. Dabei sollte es sich wiederum um Systeme von Sun handeln.
Ausbau geplant, Vorgaben bleiben gleich
Dass beim neuen System die gleichen Vorgaben gelten sollten wie beim alten, war ebenfalls klar: Daher war die Steuerung der Türme zu übernehmen und die Verknüpfung der Client/Server-Systeme mit der bereits vorhandenen Architektur des Volkswagenkonzerns zu gewährleisten. Darüber hinaus mussten ausgelagerte Buchhaltungs-, Controlling- und Personalmanagement-Systeme wie SAP/R3 via Schnittstellen angebunden werden. Alte Systeme sollten weiter eingesetzt und gegebenenfalls umgenutzt werden.
Neu hinzu kamen zwei Sun Fire 4800-Server als Produktivumgebung, dazu zehn Sun Enterprise 420R-Server für das Oracle Datenbank-Cluster und zwölf Sun Fire V240-Server als Web- und Applikationsserver. Als Betriebssystem nutzt die Anlage Solaris 9. Ein Veritas File-System und Veritas Backup runden das Portfolio ab. Der Austausch sei sukzessive und ohne Probleme abgelaufen. Die neue Hardware brauche sogar weniger Platz als die alte, "so dass der Serverraum jetzt richtig großzügig wirkt", freut sich Bruna. "Dabei sind die Maschinen noch nicht einmal ausgelastet. Wir haben also genügend Kapazitäten, um weiter zu wachsen."
Die Autostadt soll auch in Zukunft mit Vehemenz ihre Ziele verfolgen. Denn schon bald stehen mit der BMW-Welt oder Mercedes-Benz Welt ähnliche Präsentationsstätten vor der Eröffnung. Auch sie sollen das Image der jeweiligen Marke verbessern, um so neue Interessenten und natürlich neue Käufer zu generieren. "Denn das darf man nicht vergessen", ruft Hohmann sich in Erinnerung, "in erster Linie dient die Autostadt dem Vertrieb und dem neuartigen kulturbezogenen Dialog mit Kunden und Konsumenten". Und wer da künftig die Nase vorn haben will, muss besser sein als die Konkurrenz. "Da darf nach einem kurzen Flackern im Stromnetz kein System Schaden nehmen", nennt er ein Beispiel. Und darum führt seine Mannschaft auch derzeit ein neues, zentrales USV-System ein. "Da darf beim Ausfall der Klimaanlage nicht die Leistungsfähigkeit des Server-Raumes in Gefahr geraten", fährt er fort.
Da darf die Kassiererin künftig nicht lange am Touchpad verharren, bis sie dem Kunden die gewünschte Information gibt. Stattdessen sollte sie stets Blickkontakt mit dem Kunden suchen, den Dialog mit ihm aufrecht halten. Und deshalb plant die Abteilung derzeit ein neues Kassensystem, eines, das noch komfortabler ist als das alte. Die Basis der neuen Hardware-Umgebung soll wieder Sun liefern.
"Die IT muss nicht sichtbar sein, sie muss funktionieren", fordert Hohmann, "daher muss ich ihr unbedingt vertrauen können", fügt er hinzu. Unbedingt? "Nicht ganz", lächelt er und zeigt auf das kleine rote Lämpchen hinter seinem Schreibtisch. "Turmleuchte" steht drauf. Und wenn bei der Aufzugsteuerung im Turm etwas nicht stimmt, fängt es an zu blinken. Spätestens nach 15 Minuten. Dann weiß Hohmann, dass seine Leute handeln müssen. Denn dann gibt es ein Problem. Mit der IT? "Nun, nicht unbedingt", schmunzelt er. "Meistens liegt es an der Hydraulik, oder der Mechanik, oder ..."
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