Mobbing in der Autostadt Wolfsburg - Der Fall Detlev Lengsfeld
Detlev Lengsfeld aus Frellstedt leidet unter Mobbingfolgen
Krank durch Arbeit in der Autostadt
Mobbing ist ein weit verbreitetes Phänomen, jeder zehnte Arbeitnehmer soll laut Bundesanstalt für Arbeitsmedizin und Arbeitsschutz damit schon in Berührung gekommen sein. Die Folgen für den einzelnen können grausam sein. Auch Detlev Lengsfeld aus Frellstedt hat schlimme Erfahrungen gemacht. Frellstedt (le).
Der Mittvierziger begann im Jahr 2000 seine Tätigkeit in der EDV-Abteilung der Autostadt in Wolfsburg. Am Anfang habe die Arbeit viel Spaß gemacht, man sei mit Idealismus und sogar euphorisch an die Sache herangegangen, habe jede Mengen Überstunden geleistet. Doch sei es im Verlauf der Zeit zu „Macht- und Grabenkämpfen“ in den oberen Etagen gekommen, das Arbeitsklima habe sich verschlechtert, der Druck sei gewachsen. Zudem musste Lengsfeld eine andere Arbeit übernehmen, für „die ich einerseits nicht ausgebildet war und die andererseits von mir allein gar nicht zu schaffen war“.
Die Folge waren Auseinandersetzungen mit Vorgesetzten, Indiskretionen und eine schwindende Akzeptanz im Team. Eine Abmahnung musste wieder zurück genommen werden, als Detlev Lengsfeld dagegen vorging. „Nun begann das Mobbing erst recht“, verrät der Frellstedter. Gespräche mit dem Arbeitgeber, dem Betriebsrat oder Politikern brachten nichts ein. Der EDV-Fachmann litt zunehmend unter den psychischen Belastungen, wurde krankgeschrieben und im vergangenen Jahr schließlich gekündigt. Das Arbeitsgericht in Braunschweig erklärte Anfang dieses Jahres diese Kündigung für unwirksam. Die zweite Kündigung kam dann im Juli dieses Jahres. Eine Güteverhandlung vor dem Gericht im August endete ohne Einigung, die Autostadt GmbH und Lengsfeld beharrten auf ihren Positionen. Eine neue Verhandlung wurde für Dezember anberaumt. Detlev Lengsfeld ist bis heute in psychologischer Behandlung und zu 20 % schwer behindert. Neben den Krankheitssymptomen wie Schlaflosigkeit, Magenbeschwerden oder Angststörungen leidet er unter Ablehnung und Verständnislosigkeit bei Kollegen, Freunden und Verwandtschaft. Die Autostadt wirft ihm vor, das Unternehmen in der Öffentlichkeit zu „diffamieren“. Er ist aber auch aktiv geworden: Unter www.mobbing-gegner.de hat er seine Geschichte im Internet dokumentiert. Wer ebenfalls unter Mobbing leidet oder Interesse an diesem Thema hat, kann hier die einzelnen Vorgänge einsehen, Kommentare und Tipps geben oder über eigene Erfahrungen berichten. Er will das Thema öffentlich machen, denn „es gibt in der Gesellschaft einen großen Informationsbedarf, was Mobbing angeht“.
PresseArchiv/StadtSpiegel (last modified 2008-11-04 07:00:04)